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Wissen Sie was ein Abstimmungs-Dings-Bums und WM-Team gemeinsam haben?

10.10.2018

Sie grübeln noch und kommen nicht darauf? Dann fragen Sie doch die Erzieherinnen vom Naturkinderhaus Mulda. Beides hat mit den Möglichkeiten, Kinder an Entscheidungen zu beteiligen, zu tun. Klar können die von uns betreuten Kinder selber aussuchen, was auf den Frühstücksteller kommt oder wieviel sie zum Mittag essen wollen. Sie haben Lieblingsspielzeug und wählen selbst, mit wem sie spielen möchten. Aber was ist mit dem Theaterstück für die Vorschüler oder das Motto vom Zuckertütenfest? Oft denken sich die Erzieherinnen tolle Sachen aus, bereiten vor, finden passende Termine für Aktivitäten und motivieren dann die Kinder. Das klingt eigentlich stimmig und praktisch im Alltag, aber reichte uns trotzdem nicht.

Warum nicht die Kinder fragen?!

Kinder wollen sich beteiligen, mitentscheiden und haben ein Recht auf Partizipation. Bei der Kinderarche Sachsen e.V. ist dies auch als Fachstandard für alle verbindlich geregelt. Im Naturkinderhaus Mulda haben wir unter anderem aus diesen Gründen im vergangenen Jahr zum Weltkindertag einen Vorschulrat ins Leben gerufen, der sich regelmäßig zur Kinderkonferenz trifft. Wünsche der Kinder, die dort angebracht wurden, wie zum Beispiel die Anschaffung von mehr Sandsieben, konnten wir schon problemlos umsetzen. Bei unseren Überlegungen, wie wir die Vorschüler noch stärker in Entscheidungen einbinden können, ist das "Abstimmungs-Dings-Bums" entstanden. Mit kleinen Steinchen konnten unsere Größten nach der ersten Kinderkonferenz demokratisch abstimmen, wer uns vom Theater Freiberg zur Instrumentenkunde besuchen soll. Jedes Kind konnte seine eigene Entscheidung treffen und das Ergebnis war für alle sichtbar und vor allen für die Kinder selber erkennbar, was gewonnen hat. So freuen sie sich jetzt auf den anstehenden Besuch der Schlaginstrumente im Vorschuljahr. Die nächste

Entscheidung wird dann wohl das Motto des Zuckertütenfestes sein. Bis dahin lassen sie uns einfach öfter mal die Kinder fragen, was sie zu einem Thema sagen. So entstand auch im Hortrat die doppeldeutige Abkürzung WM-Team. In seiner ersten Besprechung im neuen Schuljahr haben wir mit den Kids einen Namen für einen Aufräumdienst im Außengelände gesucht. Jede Klasse soll einen Monat lang die Verantwortung dafür übernehmen. Wir wollten gern einen cooleren Namen als Ordnungsdienst oder Gartentrupp. Haben Sie schon mal von der plastikfressenden Raupe gehört? Daniel aus der Klasse 4 hat dies und uns darauf gebracht mal zu googeln, wie diese denn heißt. Gesagt, getan und fortan nimmt das WM-Team im Hort seine Arbeit auf. Das "Wachsmotten-Team" ( so heißt die Raupe) wird dabei nicht nur Plastik aufsammeln, sondern auch Ordnung halten.

Das wir uns mit dem, was wir schon umsetzen oder haben, nicht zufrieden geben, wurde zum diesjährigen Weltkindertag deutlich gemacht. Bei einem halben Glas Wasser oder halben Tasse Kaffee haben wir zum "Hälfte-Tag" tolle Gespräche mit Eltern geführt. Ziel war es deutlich zu machen, dass uns die vielleicht im Herbst 2019 kommende Vor- und Nachbereitungszeit von 2 Stunden statt der geforderten 4 Stunden eben nicht reicht. Sachsen ist nach wie vor eines der Schlusslichter beim Betreuungsschlüssel und viele Eltern haben im Gespräch ihr Unverständnis darüber und Verständnis für uns zum Ausdruck gebracht. Danke für die anregenden Gespräche und die Bereitschaft, sofort etwas zur Unterstützung der Forderungen zur ständigen Verbesserung unserer Kitas zu tun. Wir werden dies aufgreifen und demnächst noch einmal auf sie zukommen. Aber jetzt müssen die Fotos der neuen Hortratmitglieder gedruckt werden. Der Artikel hier muss auch fertig werden. Hmm. Bloß wann? Während ich Frühstück mache oder während ich bei den Hausaufgaben helfe? Nein, da kann ich ja nicht, denn ich muss meine Kollegin vertreten, die zur Kur ist und die Beobachtungen aus der letzten Sportstunde müssen auch noch notiert werden. All dies ist im jetzigen Betreuungsschlüssel nicht vorgesehen. Lassen Sie uns weiter gemeinsam dafür einsetzen das auch diese mittelbare pädagogische Arbeit anerkannt wird.

Bianca Beyer und das Team des Naturkinderhauses Mulda